Fischmarkt-Mechanik

AlphaOrange, 13. January 2012

Unser Star für Baku

Ich hatte mir den Titel eigentlich schon während der Sendung zurechtgelegt: “Das Ende der Spannungspause”. Denn das neue Live-Voting von Unser Star für Baku hat trotz all seiner kleinen Macken und Bedenklichkeiten einen nicht hoch genug zu schätzenden Vorteil gegenüber DSDS und Konsorten: Es macht diese elendigen Spannungspausen vor Verkündung des Abstimmungsergebnisses unmöglich. Das deutsche Reality-TV hat in dieser Hinsicht unwürdige Maßstäbe gesetzt. Hier dauert die bloße Verkündung, welcher Kandidat aus einem Kreis von im Schnitt zehn es nicht in die nächste Runde geschafft hat, gut und gerne mal eine Viertelstunde oder länger. Angefüllt von nichts als Phrasen, Stille und seltsamsten Verkündungsmechanismen, die nur der Streckung der Sendung dienen. ProSiebens Popstars hat unlängst sogar noch einen draufgesetzt und lässt ums Weiterkommen “battlen”, weil sich die Jury seltsamerweise jede Woche aufs Neue gerade zwischen zwei Kandidaten nicht entscheiden kann. Das Live-Voting von Unser Star für Baku macht das unmöglich. Der aktuelle Stand der Publikumsabstimmung ist permanent eingeblendet. Es ergibt keinen Sinn mehr, die Entscheidungs-Verkündung zu verzögern, wenn ohnehin jeder das Ergebnis kennt.

Nun, das war der Eindruck, den ich während der Sendung gewann. Darüberhinaus glaubte ich, dass die Abstimmung ansonsten sehr konventionell verlaufen würde. Obwohl die Zuschauer jederzeit ihre Stimme für jeden beliebigen Kandidaten abgeben konnten, waren wesentliche Veränderungen in der Rangliste nur während der Auftritte und kurz danach sichtbar, wenn der jeweilige Kandidat nach oben schoss – oder eben nur minimal zulegte. Ein Abstimmungsverhalten, das sich in den letzten beiden Jahren wohl schon beim Eurovision Song Contest selber zeigte und schließlich dazu führte, dass das vom Sendebeginn an geöffnete Voting mit dem diesjährigen Contest wieder eingestampft wird. Nimmt man diese Peaks unterschiedlicher Ausprägung zusammen ergibt sich einfach wieder das konventionelle Voting. Und ohne Spannungspause würde das zwar nicht nervig, ohne verdeckte Abstimmung konnte aber auch schnell sehen, wer raus ist und wer wohl weiter. Ich twitterte gar

Thomas D. gefällt mir als Jurychef gut. Aber das Live-Votum hat das Potential zum totalen Spannungskiller, wartet’s ab! #usfb

Ersteres möchte ich weiter unterstreichen, aber bei letzterem lag ich voll daneben. Mehr oder minder. Da hatte ich die Rechnung ohne anrufwütige Zuschauer und ohne den Gierschlund von ProSieben gemacht.

Mehr …

TV-Wunschliste für 2012

AlphaOrange, 31. December 2011

Das Jahr 2011 geht zuende, aus TV-Sicht sicherlich mit einigen erfreulichen und einigen ernüchternden Entwicklungen. Das ZDF hat immer noch keinen Gottschalk-Nachfolger gefunden, die ARD sucht händeringend nach Prä-Rentenalter-Publikum, auf RTL wurde Niveau endgültig als Quotenkiller ausgemacht, was sich auch Sat.1 dankend zu Herzen nahm während es alle seine aufgewärmten 90er-Formate genüsslich versenkte und sich dennoch gut aufgestellt sieht.

Meine Wunschliste für das deutsche Fernsehen 2012

  • Mehr Sitcoms auf ProSieben! Nein, bitte, versteht mich nicht falsch. Das soll nicht heißen, dass noch mehr Sendeplätze mit Sitcoms gepflastert werden sollen, es wäre nur einfach mal schön, wenn das Spektrum an Serien über endlose Schleifen von Two and a Half Men, How I Met Your Mother und The Big Bang Theory hinausreichen würde. In den USA boomt das Gerne und hier werden gerade einmal drei Serien mit Wiederholungen um Wiederholungen durch die ganze Primetime verteilt. Mit dem Start von New Girl ist der erste Schritt getan, jetzt gilt es die Gunst der Stunde zu nutzen. Mike & Molly, Community, 2 Broke Girls, jagt RTL endlich Modern Family ab, sagt ZDFneo, das Abtreten von The Middle sei ein Versehen gewesen, gebt Cougar Town eine neue Chance und den richtigen Sender. Wenn ihr den Comedy-Boom verpennt oder mit idiotischer Sendeplanung zerstört, seid ihr selber schuld!
Mehr …

Review: Doctor Who – “The Doctor, the Widow and the Wardrobe”

AlphaOrange, 28. December 2011

Alle Jahre wieder … gibt es am 1. Weihnachtstag die große Serienbescherung der BBC: Das Weihnachtsspecial von Doctor Who. Einstmals als Anheizer für die bald folgende nächste Staffel geeignet, ist es dieses erst einmal der Schlusspunkt, der die Fans dürsten lässt. Denn neue Folgen gibt es dieses Mal erst im kommenden Herbst. Und als letztes großes Highlight vor der langen Pause war “The Doctor, the Widow and the Wardrobe” schlussendlich doch ein bisschen ernüchternd.

Wir befinden uns im Jahr 1941, Europa befindet sich im Zweiten Weltkrieg, der zahlreiche Opfer fordert. Unter ihnen auch Bomberpilot Reg Arwell. Seine Maschine wird getroffen, im Dunkel der Nacht verliert er die Orientierung, sein Versprechen am Weihnachtstag bei seiner Familie zu sein, kann Reg nicht mehr einhalten. Seine Ehefrau Madge bekommt die Mitteilung über seinen Tod via Telegramm, scheut aber davor zurück, ihren Kindern Cyril und Lily die traurige Nachricht am Weihnachtsfest zu überbringen, das sie im Anwesen von Verwandten verbringen, wo sie von einem “Fürsorger” empfangen werden – der Doctor. Er will den Kindern das schönste Weihnachten ihres Lebens bescheren, denn der Moment der Trauer käme schließlich noch früh genug.

Mehr …

Ein kurzer Zwischenstopp im Sand

AlphaOrange, 4. December 2011

Ganz Deutschland beweinte gestern abend nicht nur Thomas Gottschalks Abschied als Moderator von Wetten, dass..?, sondern auch gleich das Ende der Sendung, den Schluss des Zeitalters der großen Samstagabendshows, der großen deutschen Entertainer sowie des Fernsehens in seiner Gesamtheit und der Unterhaltungsbranche im Speziellen.

Zumindest wenn wir ganz Deutschland gleichsetzen mit den knapp 15 Millionen, die am Abend das ZDF eingeschaltet hatten und meine Twitter-Timeline als dafür repräsentativ betrachten. Eine äußerst gewagte Aussage, schließlich liegen die Fakten ein bisschen anders: Für Gottschalks neue Sendung im Ersten wird bereits massiv geworben, Wetten, dass..? kehrt nach Aussage von ZDF-Unterhaltungschef Teubner allerspätestens mit der Sommerausgabe 2012 aus Mallorca zurück und die Samstagabendshow im Allgemeinen ist ohnehin schon vor vielen Jahren auf RTL und ProSieben wieder groß auferstanden. Dass das in den öffentlich-rechtlichen nicht mehr gelungen ist, wird vermutlich vielmehr daran liegen, dass man dort den Pool an Showkonzepten mit allerhand immergleichen Quizformaten bereits erschöpft sieht.

Es ist von daher durchaus begrüßenswert, dass das ZDF den Personenkult am gestrigen Abend nicht allzu sehr ausarten und sich ebenso nicht zu einer rituellen Beerdigung der Show hinreißen ließ. Vieles war wie immer. Mehr oder minder spektakuläre Wetten, mehr oder minder interessante Gäste, die zu Promotionzwecken kamen und dann ziemlich links liegen gelassen wurden. Die rückblickenden Einspieler waren in der Form schon aus den vergangenen Sendungen dieses Herbstes bekannt und so war das einzig ungewöhnliche eigentlich der gelungene Running Gag, dass der Wetteinsatz jedes Paten darin bestand, dass Günther Jauch in ungewohntem Outfit Wer wird Millionär? moderieren muss (alle Paten gewannen ihre Wetten, Jauch machts trotzdem) sowie in Gottschalks kurzer Abschiedsrede.

Mehr …

Was ich an Fringe vermisse

AlphaOrange, 19. November 2011

Sieben Folgen Fringe sind diesen Herbst erst auf FOX gelaufen und schon entschwindet die Serie bis zum nächsten Jahr in ihrer Winterpause. Fringe verabschiedet sich quotenmäßig auf einem neuen Tiefpunkt und auch über die Serie selbst lässt sich im Moment leider nicht viel Gutes schreiben. Dazu gibt es einfach viel zu viel, was ich derzeit bei Fringe vermisse.

Und damit meine ich gar nicht die Spezialeffekte, die mittlerweile nur noch arg dünn gesäht vorkommen und dann meist einem 90er-Jahre Standardrepertoire entstammen. Dass seit Mitte der dritten Staffel das Budget massiv nach unten geschraubt wurde, um der Serie überhaupt ein Überleben zu ermöglichen, ist in diesem Punkt besonders deutlich. Immerhin geht Fringe nicht den fehlgeleiteten Weg manch anderer High Profile Serien, sich dennoch an spektakulären Spezialeffekten zu verheben und als Resultat nur groß aufgezogene Lachnummern zu präsentieren, sondern beschränkt sich auf Effekte, die auch mit geringem Einsatz realistisch umzusetzen sind. Die Zeiten von halbtransparenten Menschen, zu Staub zerfallenden Gesichtern und großflächigen Amber-Einsätzen sind allerdings vorbei. Das ist ein Mangel, den die Serie in anderen Bereichen wettmachen kann, aber auf jene “Wow!”-Effekte, die einem manchmal auch eine mittelmäßige Story versüßten (man denke mal an den obskuren Virus, den sich Kosmonauten im All eingefangen haben sollten), kann man nicht mehr setzen.

Mehr …

Wetten, dass..? am Ende, tot und begraben

AlphaOrange, 6. November 2011

Hape Kerkeling sagt die Nachfolge für Thomas Gottschalk als Moderator von Wetten, dass..? ab. Schocker am Samstagabend. Was nun? Die große Samstagabendshow steht vor dem Ende, die Familienshow allgemein am Abgrund und das Abendland vor dem Untergang. Vielleicht verschwindet mit Wetten, dass..? ja auch gleich das ganze ZDF in der Bedeutungslosigkeit. Ohne Thomas Gottschalk hat das Fernsehen keine Zukunft mehr.

Solche Eindrücke kann man jedenfalls gewinnen, wenn man am benannten Abend oder am nächsten Morgen durch die Online-Presse blätterte, die unvermindert dort weitermacht, wo sie zu Beginn des Jahres nach dem Unfall von Samuel Koch und Gottschalks nachfolgender Ankündigung seines Rückzugs angefangen hat: Die Nachfolge zu einer nationalen Aufgabe und einem Ding der Unmöglichkeit gleichermaßen zu verklären.

Und genau das halte ich für absoluten Blödsinn. Ich finde geradzu grotesk, dass fast die gesamte Medienpresse das Schicksal einer erfolgreichsten Shows Deutschlands und ganz Europas von einem bzw. zwei Männern abhängig macht. Desweiteren glaube ich, die Rolle Thomas Gottschalks bei Wetten, dass..? wird gnadenlos überschätzt.

Mehr …

Der Serienfan: Verloren zwischen Mainstream und Fanatismus

AlphaOrange, 2. November 2011

Der gemeine Serienfan, eine Spezies, zu der ich mich selbst in einer äußerst stark ausgeprägten Form zähle, ist ein seltsames Wesen. Er treibt eine ganze Industrie an, in den USA, wo das Primetimegeschehen der TV-Sender von fiktionalen Serien geprägt wird, noch deutlich stärker als hierzulande. Er ist verantwortlich für Erfolge, Höhenflüge und die exorbitanten Gagen von Charlie Sheen und auf der anderen Seite für Abstürze und Absetzungen – über die er sich im Anschluss bitterlich beklagt.

Der Serienfan will von der Fernsehindustrie ernst genommen werden. Seine Meinung über seine Lieblingsserie soll Gewicht haben, seine Ideen für die Handlungsfortgänge berücksichtigt werden, auch wenn er von dramaturgischen Konzepten gar keine Ahnung hat und sich gerne überraschen lässt. Der Serienfan möchte seine Serie zuverlässig, sicher und über einen langen Zeitraum. Sendepausen sind gefälligst zu unterlassen, denn der Serienfan bezeichnet sich in der Regel selbst als derart erinnerungsschwach, dass er der Handlung nach zwei Wochen Unterbrechung nicht mehr folgen kann. Konstante Qualität (nur erreichbar durch stetig steigende Qualität, weil schnell der Ermüdungseffekt einsetzt) sollte es sein und ein runder Abschluss, der seinen persönlichen Erwartungen entspricht. Überraschend sein soll die Auflösung bitte, aber auch exakt dem entsprechen, was sich der Fan über die letzten Jahre ausgemalt hat.

Mehr …

Staffelreview: Doctor Who, Season VI

AlphaOrange, 8. October 2011

Geniestreich oder Wahnsinn? Eine brillante Verschmelzung aus Story Arc und kleinen Geschichten oder ein unentwirrbares Chaos aus verfilzten Mythologiefragmenten und zersägten Einzelepisoden? Hat der Showrunner selber den Durchblick verloren oder ihn als einziger behalten? Als Steven Moffat bei Doctor Who das Ruder übernahm gab es unter den Fans kaum jemanden, der nicht glücklich jubelte (außer denen, die wegen David Tennants Abgang schmollten): “The Doctor Dances”, “The Girl in the Fireplace”, “Blink” – jede Staffel lieferte der Spitzenautor verlässlich das Staffelhighlight ab. Zwei Staffeln unter Federführung Moffats haben wir nun hinter uns und die sind alles, nur nicht was man hätte erwarten können.

Überfordert? Dieses Bild von Steven Moffats Writing Room lässt tief in die Psyche blicken.

Mehr …

Staffelreview: Torchwood – Miracle Day

AlphaOrange, 25. September 2011

Die erste Staffel war ein wildes, aber interessantes Chaos, die zweite Staffel ein Genre-Potpourri von Bruchlandung bis Gänsehaut, die dritte ein politischer Thriller, der mit dem Konzept der Serie brach und die vierte …

Ich würde ja gerne mit dem Positiven anfangen, aber das habe ich bereits zur Mitte der Staffel alles aufgeschrieben. Hier findet ihr mein Halbstaffel-Review zu Torchwood: Miracle Day auf Quotenmeter.de. Damals noch sehr hoffnungsfroh. Die Serie war gerade auf dem Höhepunkt ihrer Eskalationsstrecke angekommen, hatte die Welt in ein dystopisches Szenario verwandelt, in dem sich Großbritannien und die USA teilweise nicht mehr richtig von Nazi-Deutschland unterscheiden ließen. Konsequent spielte man das phantastische Szenario aus, dass man aufgestellt hatte: Die Menschen hören auf zu sterben. Der große Plan fehlte noch, aber wer erwartet den in der Mitte einer hoch serialisierten Staffel schon komplett zu durchschauen. Was dem Genuss der Serie damals noch zugute kam. Denn damals konnte man noch glauben, dass das alles ganz bedeutend für die Geschichte von Torchwood: Miracle Day ist. Irrtum.

Mehr …

TV-Tipp: Die Harald Schmidt Show

AlphaOrange, 12. September 2011

Wie lange habe ich darauf gewartet: Die achtjährige Kreativpause der Harald Schmidt Show ist zuende. Gut, dazwischen gab es diverse Experimente alleine, mit Onkel Olli oder einem Team moderner Zivis, die dem altersmüden Schmidt unter die Arme griffen. Und ja, ich weiß, dass die Vorstellung mit dem neuen alten Sender und dem neuen alten Show-Titel würde alles besser und insbesondere wieder so wie damals in den goldenen ersten Jahren des neuen Jahrtausends, nostalgisch verklärt und fernab der Realität ist. Aber ich freu mich trotzdem drauf, sogar darauf, dass es endlich wieder Werbepausen gibt, die der eigenen Showband wieder eine echte Existenzgrundlage verschaffen. Also nicht verpassen!

Dienstag, 13. September 2011 um 23.15 auf Sat.1:
Die Harald Schmidt Show

Mittwoch, 14. September 2011 um 23.15 auf Sat.1:
Die Harald Schmidt Show